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Wenn Freiheit plötzlich Angst macht...

Autorenbild: Anja Klinkert
Anja Klinkert
vor 1 Tag
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 8 Minuten


Heute habe ich mich um meine Höhenangst gekümmert. Und ganz unerwartet auch um meine Freiheit.


Wir waren im Wald rund um den Rudolfstein im Fichtelgebirge wandern. Zwischen den Bäumen stehen dort neben dem bekannten Rudolfstein viele weitere Felstürme. Auf einen dieser nicht erschlossenen Felsen bin ich geklettert.


Schon bei unserem letzten Besuch vor einigen Monaten war ich dort hinaufgeklettert - bis zu dem Punkt, an dem es für mich nicht mehr weiterging. Den letzten Schritt auf das obere Plateau hatte ich damals nicht gemacht.


Heute stand ich wieder dort. Ich kletterte Stück für Stück nach oben. Mein Mann unterstützte mich, blieb bei mir und gab mir ein Gefühl von Sicherheit. Dennoch zitterten meine Beine, als ich schließlich das letzte Plateau erreichte.


Und dann stand ich dort oben. Vor mir dieser Rundumblick. Der Himmel, die Landschaft - und in der Ferne der Rudolfstein. Mein Herz wurde ganz leicht und plötzlich war da nur noch dieses eine Gefühl:


FREIHEIT


Eine tiefe, fast grenzenlose Freiheit in mir. Mein Herz war froh, mein Atem wurde weit. Für einen Moment schien alles möglich.


Und dann kamen die Tränen...

Mitten in dieses wunderbare Gefühl der Grenzenlosigkeit, entlud sich der Schmerz der vergangenen Jahre. Die Erinnerung an eine Zeit voller äußerer Einschränkungen, Unsicherheiten, Ängste. An Jahre, in denen die Welt enger geworden war und vieles, was selbstverständlich schien, plötzlich nicht mehr selbstverständlich war. Bilder zeigten sich vor meinem geistigen Auge.


Und als es in mir immer noch schluchzend ruhiger wurde, merkte ich: darunter lag noch viel mehr - es war als wollte sich gerade Schicht um Schicht befreien. Und das überraschte mich dann doch sehr...


MEINE ANGST VOR FREIHEIT


Ich und Angst vor Freiheit? Niemals, hätte ich gesagt. Schließlich liebe ich meine Freiheit - im Denken, im Fühlen, im Tun, im Entscheiden. Das war mir immer wichtig. Wer mich kennt, weiß das...



Wenn das Alte nicht mehr trägt

Bei uns ist im Moment vieles in Bewegung. Entscheidungen werden getroffen, Vertrautes werden wir zurücklassen. Wir wissen, dass wir künftig nicht mehr in Deutschland leben möchten. Doch wo werden wir ankommen? Wo können wir neu Wurzeln schlagen? Werden wir eine weitere Heimat finden?


Vieles ist offen. Und so sehr ich mich auf diese Freiheit freue, spüre ich eben auch Angst vor meiner eigenen Courage. Denn Freiheit bedeutet nicht nur Weite, unbekümmert sein. Sie bedeutet auch manchmal, das Vertraute loszulassen. Entscheidungen zu treffen, ohne den gesamten Weg bereits überblicken zu können. Dem eigenen inneren Wissen zu folgen, dem Gefühl zu vertrauen - obwohl es noch keine Sicherheit im Außen gibt.


Und daher macht uns vielleicht manchmal die Freiheit Angst. Das ist okay - und wir sind auffordert, zu wählen. Vielleicht weil wir uns nicht länger hinter Umständen, Erwartungen oder einem vertrauten Leben verstecken können oder es auch einfach nicht mehr wollen.


Freiheit beginnt nicht immer mutig

Dort oben auf dem Felsen entschied ich mich, mit dem zu arbeiten, was sich gerade so deutlich zeigte. Ich sprach für mich zwei Herzintegrationen - eine Form der Transformationsarbeit, die mich seit vielen Jahren begleitet und die auch Teil meiner Ausbildung im Morphischen Feld ist.


Und in meiner Wahrheit geht es nie darum, eine Emotion möglichst schnell loszuwerden. Im Gegenteil: Sie darf da sein, wird wahrgenommen und in ihrer ganz eigenen Qualität gewürdigt. Für mich ist es so wichtig, zu wissen, dass wir unseren Gefühlen nicht hilflos ausgeliefert sind. Wir können lernen, uns den Themen, die sich zeigen zuzuwenden und sie in unserem Herzen zu integrieren.


Ganz allmählich verebbte dann das Schluchzen. Mein Atem wurde ruhiger. Und irgendwann war ich einfach nur noch da - mit der Weite, der Freude und diesem neuen Gefühl in mir.


Der Abstieg von diesem Felsen war noch einmal eine kleine Herausforderung - das auch das habe ich geschafft - weniger zitternd als zuvor - eher selbstverständlich, klar und mutig. Obwohl äußerlich alles war wie zuvor, hatte sich etwas verändert. Ich fühlte mich leichter. Freier. Verbundener mit mir selbst.


Vielleicht beginnt Freiheit nicht immer mit einem mutigen, entschlossenen Schritt.

Vielleicht beginnt sie manchmal auch mit zitternden Beinen - und mit der Bereitschaft, die eigene Angst wahrzunehmen, ohne ihr sofort wieder zu folgen.


Und vielleicht müssen wir auch nicht vollkommen angstfrei sein, um den nächsten Schritt zu gehen. Vielleicht entsteht Vertrauen genau dann: in dem Moment, in dem wir es trotzdem tun.


Wo stehst du gerade vor einem inneren „letzten "Plateau“?

Was könnte hinter deiner Angst auf dich warten?

Und welche Freiheit möchtest du dir eigentlich längst erlauben?




 
 
 

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